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Das EVALUATIONSKONZEPT VON FÖRMIG

Ob eine Fördermaßnahme erfolgreich ist oder nicht, wurde in FÖRMIG insbesondere an der längsschnittlich erfassten Sprachentwicklung der geförderten Kinder oder Jugendlichen festgemacht. Die relativen Zuwächse bei ausgewählten sprachlichen Kompetenzen der Fördergruppen wurden miteinander verglichen. Dabei wurden Ausgangs- und Rahmenbedingungen berücksichtigt.

Kriterien für die Evaluation des Programms FÖRMIG wurden aus den übergeordneten Zielen des Programms abgeleitet:

(1) Sprachförderung
Um die Ergebnisse der Sprachförderung einschätzen zu können, wurden Sprachstandserhebungen jeweils zu Beginn und zum Abschluss einer Förderphase durchgeführt. Parallel dazu wurden die jeweils gegebenen Bedingungen erfasst, unter denen die Sprachförderung stattfindet - vor allem die soziale Position der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen, Migrationsgeschichte und Sprachgebrauch in den Familien.

(2) Vernetzung
Die Vernetzung innerhalb der Fördereinrichtungen und mit ihren Partnern wurde anhand von Netzwerkprotokollen dokumentiert, die wesentliche Daten zu den Aktivitäten, zur Netzwerkbildung und -erweiterung sowie zur Kooperation und Kontaktpflege der Basiseinheiten festhalten. Mit der Protokollierung ging eine Reflexion über den aktuellen Stand der Zielerreichung, ggf. auch mit einer Weiterentwicklung bzw. Modifizierung der Zielvereinbarungen, einher, weiterhin bezieht sie eine Einschätzung des Verhältnisses von Aufwand und Ertrag seitens der Netzwerkmitglieder ein.

Evaluationsebenen in FÖRMIG

Die zentrale Evaluation des Modellprogramms (1) ist beim Programmträger angesiedelt. Die dezentralen Evaluationstätigkeiten (2) erfolgen auf der Ebene der Basiseinheiten und sind als interne und prozessbegleitende (formative) Evaluation ausgelegt. Eine Zwischenstellung nehmen die in einigen der zehn Bundesländer realisierten landeseigenen Evaluationen ein (3). Hier werden die Basiseinheiten in den Ländern unter spezifischen Fragestellungen extern evaluiert. Jede dieser Evaluationen, zentral wie dezentral, nimmt die Felder 'Sprachentwicklung', 'Vernetzung' und 'Transfer' in den Blick. Eine zusätzliche programmexterne Evaluation (4) wird das Gesamtprojekt betrachten und bewerten. Handlungsleitendes Ziel dieser Meta-Evaluation ist die zielgerichtete Weiterentwicklung des Gesamtkonzeptes von FÖRMIG mit der Perspektive der Generierung von Hinweisen zur Initiierung, Organisation, Durchführung und Bewertung von Modellprogrammen.

Abbildung 1: Evaluationsebenen in FÖRMIG

Zentrale Evaluation der Sprachförderung

Die summative Evaluation des Programmträgers bezieht sich auf die erzielten Ergebnisse der Sprachförderung. Der Kenntnisstand der Kinder und Jugendlichen wurde zu Beginn und zum Ende eines Förderjahres festgestellt. Aus dem Vergleich von Eingangs- und Ausgangssituation lässt sich der Bruttoeffekt der Förderung ablesen. Wie sich die Situation dieser Förderung im Vergleich mit anderen Basiseinheiten darstellt, die unter ähnlichen Rahmenbedingungen arbeiten, wird anhand eines sogenannten "fairen Vergleiches" empirisch abgeschätzt (vgl. Arnold, 1999). Hierbei wird eine Reihe von Rahmenbedingungen berücksichtigt, so dass ein relativer (Netto-)Fördereffekt ermittelt werden kann.

Üblicherweise steht eine summative Evaluation am Ende einer Maßnahme und dient ihrer abschließenden Bewertung. In FÖRMIG wurden die Informationen für die zentrale Evaluation des Programmträgers in zwei Durchläufen ("Kohorten") erhoben. Die Ergebnisse der ersten Kohorte, die die erste Programmphase erfasst, wurden noch in der Laufzeit des Programms zurückgemeldet. Diese Strategie wurde verfolgt, um den Basiseinheiten ein vergleichendes Bild ihrer Förderergebnisse aus programmübergreifender Perspektive zu bieten, auf dessen Basis sie ggf. Änderungen an ihren Fördermaßnahmen vornehmen konnten. In der zweiten Kohorte wurden in einer fortgeschrittenen Phase des Programms nach dem gleichen Verfahren Daten erhoben, die ausschließlich der summativen Evaluation dienen.

Abbildung 2: Zeitliche Organisation der Evaluation in FÖRMIG

FÖRMIG konzentriert sich auf die bildungsbiografischen Übergänge

Entsprechend den unterschiedlichen Altersgruppen wurden zur Feststellung der Sprachstände altersgruppenspezifische Instrumente verwendet (Abb. 3).

Das HAVAS 5-Verfahren wertet mündliche Texte von Kindern zu einer Bildergeschichte aus. Das Verfahren - eigentlich für 5-jährige entwickelt - wurde auch bei Erstklässlern mit Migrationshintergrund eingesetzt.

Bei den älteren Kindern und Jugendlichen wurden rezeptive (Leseverständnis) und produktive Sprachkompetenzen (Textproduktion) ermittelt. Zur Erfassung des Leseverständnisses wurden Tests aus dem IGLU- und PISA-Kontext eingesetzt - letztere wurden um eigene Items ergänzt. Für den Bereich der Textproduktion standen keine vergleichbar bewährten Instrumente zur Verfügung, hier wurden für FÖRMIG neue Verfahren entwickelt, die auf schriftlichen Texten zu Bildfolgen beruhen (für Kinder am Übergang von der Primar- zum Sekundarstufe: FÖRMIG-Tulpenbeet, für Jugendliche: FÖRMIG-Bumerang).

Alle Verfahren wurden in deutschsprachigen Versionen eingesetzt, bei Kindern und Jugendlichen mit den Erstsprachen Türkisch oder Russisch zusätzlich in diesen Sprachversionen.

Hintergrunddaten, die der Einschätzung der sprachlichen Entwicklung und ihrer Relativierung dienen, wurden mit Eltern- und Schülerfragebögen erfasst, kognitive Fähigkeiten mit nonverbalen Subtests des CFT bzw. KFT.

Abbildung 3: Instrumente zur Erfassung des Sprachstandes in FÖRMIG

Übergang Elementar-/ Primarbereich:       HAVAS 5
Übergang Primarstufe/ Sekunddarstufe I:      Test auf der Basis der veröffentlichten
  IGLU-Leseverständnisaufgaben, Produktionsaufgaben FÖRMIG-Tulpenbeet
Übergang Sekunddarstufe I/ Beruf :   Test auf der Basis der veröffentlichten
  PISA 2000-Leseverständnisaufgaben, Produktionsaufgabe FÖRMIG-Bumerang   
Sprachen:   Deutsch, Türkisch, Russisch

Sie erhalten hier die Literaturhinweise zum Text sowie weiterführende Literatur.



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