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Die sprachliche Bildung griffe zu kurz, wenn sie nur allgemeinsprachliche Aspekte umfasste. Vielmehr ist der gezielte Ausbau von Kommunikationsfähigkeit und Literarität in einem umfassenden Verständnis erforderlich. Dies schließt die Förderung spezifischer sprachlicher Mittel ein, in denen die zunehmende fachliche Ausdifferenzierung des schulischen Bildungsgangs reflektiert ist. Dieses Erfordernis impliziert zugleich, dass sprachliche Bildung nicht nur auf einen Bildungsgang vorbereitend erfolgen kann, sondern ihn zumindest über solche Phasen der Bildungsbiographie hinweg begleiten muss, in denen die domänen- bzw. fachspezifischen sprachlichen Anforderungen sich ausdifferenzieren. Neue Anforderungen in diesem Sinne haben Schülerinnen und Schüler nicht nur im allgemeinbildenden Schulsystem mehrfach zu bewältigen, sondern auch in der Phase des Übergangs in die berufliche Bildung bzw. den Beruf.
Diese Forschungsergebnisse sind in Prinzipien übertragen worden, die in allen FÖRMIG-Projekten beachtet werden:
Kooperative Sprachbildung
Der kumulative Aufbau schul- und bildungsrelevanter sprachlicher Fähigkeiten erfordert es, dass möglichst alle an der Sprachförderung Beteiligten zusammenwirken. Die Zusammenarbeit von Schule, Elternhaus und außerschulischen Einrichtungen ist daher ein Kennzeichen der an FÖRMIG beteiligten Projekte. Im Kontext der schulischen Sprachbildung gehört die Mitwirkung von Lehrkräften verschiedener Lernbereiche bzw. Fächer zu den Besonderheiten der Förderung im Rahmen von FÖRMIG. Es ist Teil der Aufgaben der Projekte in den Ländern, solche Zusammenarbeit zu stiften und die Beteiligten dabei zu unterstützen, im Sinne des gemeinsam verabredeten Konzepts zusammenzuwirken. Dabei sollen regionalspezifische Bedingungen berücksichtigt und lokale Ressourcen ermittelt und einbezogen werden.
Sprachförderung an bildungsbiographischen Schnittstellen
Zur Kumulation von sprachlichen Fähigkeiten im Sinne der Weiterentwicklung des bereits Erreichten ist eine enge Kooperation an den Übergängen im Bildungssystem erforderlich. Aufgrund von Strukturmerkmalen des deutschen Bildungssystems - beispielsweise der unterschiedlichen Trägerschaft der Einrichtungen im schulischen und vorschulischen Bereich - ist die Gestaltung solcher Zusammenarbeit nicht selbstverständlich. Im Programm FÖRMIG sollen daher Innovationsideen entwickelt werden, die helfen, die an den Schwellen der individuellen Bildungsbiographie bestehenden strukturellen Grenzen zu überwinden.
Auf Diagnoseergebnisse aufbauende Förderung
Die Förderung schul- und bildungssprachlicher Fähigkeiten unter Berücksichtigung der vorhandenen Ressourcen und Fähigkeiten der Lernenden setzt den Einsatz von adäquaten förderdiagnostischen Verfahren voraus. In den an FÖRMIG beteiligten Projekten werden daher solche Verfahren (weiter-)entwickelt oder erprobt, und es werden Konzepte der Förderung erarbeitet, die an die Diagnoseergebnisse so gut wie möglich anschließen.
Zur Vorbereitung des Modellprogramms FÖRMIG diente die 2002 von der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung in Auftrag gegebene Expertise "Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund". Die BLK-"Projektgruppe Innovationen im Bildungswesen" hatte auf dieser Grundlage das Konzept des Programms beschlossen. Die Prinzipien des Programms waren im ursprünglichen Konzept in drei thematische Schwerpunkten geordnet:
(1) Sprachförderung auf der Basis individueller Sprachstandsfeststellungen,
(2) Durchgängige Sprachförderung (sprachliche Bildung und Förderung im Deutschen, in den Herkunftssprachen und in den Fremdsprachen),
(3) Berufliche Bildung und Übergang in den Beruf.
Zur inhaltlichen Ausfüllung dieser Themenschwerpunkte wurden vom Lenkungsausschuss des Programms neun verschiedene "Module" vereinbart. Die teilnehmenden Länder hatten ihre Vorhaben entsprechend zugeordnet.
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Die Einführung des Begriffs "Sprachbildung" (statt "Sprachförderung") in den Sprachgebrauch des Programms geht auf Rückmeldungen aus den Länderprojekten zurück, die besagten, dass die in den Basiseinheiten Beteiligten mit dem Terminus "Förderung" vielfach die Vorstellung von additiven Maßnahmen verknüpften, nicht aber die Assoziation einer die Bildungsaufgaben insgesamt durchdringenden Perspektive. Dies und die Anlehnung an den Begriff der Bildungssprache, der im Kontext der Vorbereitungen von FÖRMIG vom Programmträgerteam in den deutschen Diskurs eingeführt wurde, veranlassten den Vorschlag der Einführung des Begriffs "Sprachbildung". Hierdurch soll auch angezeigt sein, dass die Aktivitäten der FÖRMIG-Projekte und die Evaluationen dazu beitragen werden, die Forschungslücken zu schließen, die mit dem Begriff der Bildungssprache - bezogen auf das Deutsche - verbunden sind. Auch an dieser Stelle also wird im Programm FÖRMIG Pionierarbeit geleistet.